Donnerstag, 30. August 2012

Maegwin - sie weilt zur Zeit übrigens in China - hat mich zum Thema "Orient" getaggt. Ich habe mich ja durch meine letzten Posts zum Jordanien-Urlaub als Orient-Fan geoutet :)



Ich soll 8 Dinge zum Thema erzählen. Bitteschön:


1 - Besonders gut gefällt mir der "Maschriq". Laut Wikipedia umfaßt er die Länder Ägypten, Palästina, Jordanien, Libanon, Syrien und Irak. Das Wort "Maschriq" bedeutet in etwa Osten, also dort, wo die Sonne aufgeht. Bekannter ist das Wort Maghreb (umfaßt Tunesien, Algerien und Marokko sowie Libyen und Mauretanien). Dort, im Westen, geht die Sonne unter. So heißt auch das Abendgebet (nach Sonnenuntergang) "Maghrib". Und Marokko auf Arabisch heißt ebenfalls Maghrib. (Man kann das mit e oder i scheiben. Korrekt ist das i, denn im (Hoch-)Arabischen (bzw. im Alphabet) gibt es nur die Vokale a, i und u. Übrigens hat das arabische Alphabet gar nicht so viele Buchstaben, nur 28.

2 - Ich habe eher zufällig angefangen, arabisch zu lernen. Der Italienischkurs an der Uni war zu voll und zu "schulisch", spanisch mag ich vom Klang her nicht, russisch hatte ich mal im Gymnasium als AG und finde es nicht so schön, chinesisch kann ich gar nicht leiden, ... (ich habe empfindliche Ohren ;-) ). Also hab ich einfach mal einen Arabischkurs gebucht. Damals waren die Sprachkurse an der Uni sogar noch kostenlos. 

Ihr werdet euch sicher fragen, wie man denn ausgerechnet diese so seltsam klingende Sprache mit ihren "unaussprechlichen" Lauten schön finden kann, wenn man schon spanisch, russisch oder chinesisch nicht mag. Gute Frage. Weiß ich auch nicht. Ob ich wohl deutsch mögen würde, wenn es nicht meine Muttersprache wäre? Hmmm ...




vokalisierter Text

3 - Arabisch benutzt wie hebräisch (beides sind semitische Sprachen) in der geschriebenen Sprache nur Konsonanten und lange Vokale. Die kurzen Vokale werden nicht geschrieben. In Kinderbüchern (und im Koran) werden die kurzen Vokale dargestellt (als Striche/Kreise über/unter den Konsonanten). Das hilft sehr bei der Aussprache. Ansonsten kann man als Ausländer nur raten, wenn man den Kontext der Texte nicht kennt. Man wird wieder zum Schulanfänger, der laaaangsam und mit Fingern liest, wenn man eine neue Schrift lernt :-)
Und das doofe rollende "R" kann ich immer noch nicht. Ich übe es derzeit mit Sprachübungen á la "der gdasgdüne Fdosch".

4 - Im "richtigen" Orient war ich noch gar nicht. Also dort, wo man als Europäer an 1001 Nacht, Gold, Wüstenjeeptouren, Oasen und Fata Morganas denkt - Oman, Jemen, die Emirate, Saudi Arabien. Dort ist es bestimmt ganz anders als im Nahen Osten oder in Marokko, wo ich bisher war. Vielleicht werde ich in diese Länder auch noch reisen, aber im Moment reizt mich der Nahe Osten mehr als der Mittlere, auch der Sprache wegen (es gibt viele arabische Dialekte - Marokkaner sprechen ganz anders als Golfaraber oder Palästinenser). Ich möchte gerne noch nach Palästina, in den Libanon und in den Irak, sowie in den Norden von Syrien. Momentan alles eher schwierig :-(

5 - Bei all meinen Reisen (soooo viele waren das noch nicht ...) in die arabischen Länder Marokko, Ägypten, Syrien und Jordanien habe ich mich sehr wohlgefühlt. Nicht immer gesundheitlich, denn vor allem die Verdauung macht schon öfter mal Probleme und man verbringt schonmal Tage zwischen Bett und Klo hin-und-her-rennend. Aber ich liebe die Sonne und die Wärme bzw. das trocken-heiße Klima. Man schwitzt kaum, auch bei 45°C, im Gegensatz zu dem schrecklichen Sommer, den wir dieses Jahr hier in einer der "wärmsten" Städte Deutschlands hatten. 20°C und total naßgeschwitzt - bäh.

6 - Es ist anstrengender, beispielsweise in Kairo durch die Stadt zu laufen und z.B. shoppen zu gehen. Keine Fußgängerüberwege, kaum Ampeln (die eh nicht beachtet werden), viele viele Autos und Menschen, hohe Gehwege, die immer wieder durch Löcher oder Bäume unterbrochen werden.

In Damaskus bin ich oft durch den überdachten Souk gelaufen, um irgendwo hinzukommen, und mich hat es genervt, dass die Leute, vor allem Frauen, immer rempeln und sich nicht entschuldigen. In Deutschland ist das total unhöflich, jemandem zu nahe zu kommen, in Syrien ist es normal, daher kommt auch keiner auf die Idee, sich zu entschuldigen. Das war schwierig und ich mußte mir das immer wieder klarmachen, weil es mich manchmal echt genervt hat. Männer gehen einem eher (freundlich) aus dem Weg. Als Frau geht man einfach geradeaus weiter und kann drauf vertrauen, dass ein Mann einem ausweicht :-) ... oder z.B. einen Sitzplatz im Bus anbietet, die Tür aufhält oder einen in der Warteschlange vorläßt. Sehr höflich.

Nette Erlebnisse hatte ich in der Kairoer U-Bahn. Es gibt dort in jeder U-Bahn einen Wagen (ich glaube, mittlerweile immer der Vordere) nur für Frauen, das ich gerne benutzt habe, weil es nicht so voll ist wie in den gemischten Abteilen. Die Frauen dort waren sehr nett, interessiert, haben gelächelt, mit mir geredet; sitzende Frauen haben anderen, die stehen mussten, ihre kleinen Kinder abgenommen und sich auf den Schoß gesetzt. Ich bin einmal gestanden, und ein junges Mädchen mit Sitzplatz hat mir angeboten, meine Tasche und meine Jacke zu nehmen. Daran muss man sich auch erstmal gewöhnen.






7 - Was ich am Orient mag:
die Sonne; die Wärme; die Herzlichkeit; das Essen; die hübschen Männer (ich mag dunkle Haare und Augen) ;-); ich fühle mich auch nachts sicher dort; man geht mit Kindern ganz anders um - sie sind einfach da und nehmen am Leben teil und jeder kümmert sich um sie, was die Mütter entlastet.

8 - Was ich nicht mag:
Da in Deutschland alles genormt und geregelt ist, ist das Leben hier einfacher und sicherer. Man kann essen was man möchte, ohne sich ständig den Magen zu verderben. Der Müll wird pünktlich abgeholt, Autos parken nicht kreuz und quer, Waren sind mit Preisen ausgezeichnet, auf Ämtern zieht man Nummern, Korruption gibt es -zumindest öffentlich- nicht. Wenn man "nein" meint, sagt man "nein". Wenn man "ja" sagt, gilt das meist. Das hilft, den Alltag effektiver und schneller zu bewältigen.

Und natürlich gibt es bei uns mehr persönliche Freiheit. Das zwar auf Kosten der Familienbindung, z.B. wäre es für Araber wohl undenkbar, ihre Großeltern ins Altersheim zu bringen, da die Großfamilie sich kümmern kann, aber nicht jeder hat eine Familie, mit der er sich gut versteht.

Keine Kinder zu wollen, wäre wohl auch unmöglich.

Ich glaube, auf Dauer dort zu leben, wäre für mich nicht das Richtige, so sehr ich die arabische Mentalität im Urlaub auch liebe. Was mir die Araber (u.a. mein marokkanischer Mann) allerdings gelehrt haben, ist, geduldiger zu sein und Dinge, die man eh nicht ändern kann, einfach anzunehmen, ohne sich aufzuregen. Das ist schwierig, aber ich arbeite daran :o)



Kommentare:

  1. Wow, sehr spannend. Danke für all die interessanten Infos.

    Liebe Grüße :)

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  2. Das sind tolle Antworten, wirklich interessant. Ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen, in einem anderen Land zu leben, auch wenn ich im Urlaub immer sage, dass ich umziehen oder auswandern will (nach Karlsruhe will ich auch immer hinziehen ;-))
    Engerer familiärer Zusammenhalt hat Vorteile, aber auch Nachteile.
    Besonders interessant fand ich, dass Frauen nie ausweichen, Männer dagegen schon und dass es ein Abteil für Frauen gibt.
    Wo ich Dein Post so lese, will ich immer mehr dorthin.

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Ich mag Kommentare :o)